Die EU in Deinem Alltag – was die Europäische Union mit Deinem täglichen Leben zu tun hat

Lächelndes Mädchen mit Sonnenbrille und Smartphone in der Hand, im Hintergrund betrachten drei Menschen das Display eines Smartphones.

Die EU in Deinem Alltag – was die Europäische Union mit Deinem täglichen Leben zu tun hat

 

Ist Dir bewusst, wie sehr die Europäische Union (EU) Deinen Alltag beeinflusst? Dieser Text stellt Dir einige Beispiele für positive Auswirkungen der EU auf Dein tägliches Leben vor. Begib Dich mit Deinen Freund_innen auf eine Reise!

Es ist Freitag, ein langes Wochenende steht bevor. Du planst, mit Freund_innen für ein paar Tage nach Groningen in den Niederlanden zu fahren. Karla, Emir und Du seid schon seit der Grundschule befreundet.

Ihr habt einen Zug gebucht. Als ihr am Bahnhof ankommt, stellt ihr jedoch fest, dass diese Verbindung ausfällt. Ihr ärgert Euch – die Fahrkarten waren sehr teuer. Also wendet Ihr Euch an den Informationsschalter der Deutschen Bahn. Der Mitarbeiter drückt Euch ein Fahrtgastrechte-Formular in die Hand und erklärt, dass Ihr nach EU-Recht Anspruch auf Entschädigung habt: Die Deutsche Bahn muss Euch wegen des Zugausfalls den Fahrkartenpreis erstatten. An diesem Tag gibt es keine weitere Bahnverbindung nach Groningen. Aber Ihr habt Glück: Karlas Vater leiht Euch sein Auto. Emir checkt im Internet, ob Karla mit ihrem Führerschein in den Niederlanden fahren darf: Darf sie, denn von EU-Mitgliedsländern ausgestellte Führerscheine sind in der gesamten EU gültig. Apropos Plastikkarte: Bei gesetzlich Versicherten ist auf der Rückseite der Krankenversicherungskarte die Europäische Krankenversicherungskarte zu finden: Mit ihr ist man im Notfall im EU-Ausland gut versorgt.

Nach ein paar Stunden Fahrt kommt Ihr in Groningen an. Eine Grenzkontrolle hat Euch nicht aufgehalten: Ihr seid im Schengen-Raum unterwegs, in dem es in der Regel keine Grenzkontrollen mehr gibt. Ihr habt großen Hunger und wollt typisch holländisch essen: Pommes mit Erdnuss-Sauce. Emir hat gehört, dass Pommes in der Europäischen Union verboten sind. Die Verkäuferin weiß mehr: In der EU sollen die Menschen vor gesundheitsschädlichen Stoffen geschützt werden. In sehr lange frittierten, stark gebräunten Pommes ist Acrylamid enthalten – ein Stoff, der mit Krebs in Verbindung gebracht wird. Daher wurden in der EU Regelungen getroffen, die den Verkauf von zu lange frittierten Pommes verbieten; ähnliche Regelungen gibt es auch für Brot und Kaffeeröstung.

Eure Pommes bezahlt ihr, ganz selbstverständlich, mit Euro. Neunzehn EU-Mitgliedsländer verwenden dieselbe Währung. Zurück im Hotel habt ihr nach den salzigen Pommes Durst. Das Leitungswasser im Hotel könnt Ihr meist problemlos trinken: In der EU gelten strenge Standards für die Sauberkeit von Trinkwasser (und Badegewässern).

Am nächsten Tag erkundet Ihr die Stadt. Karla ist begeistert, dass so viele Menschen mit dem Fahrrad fahren. Ihr besucht einen Markt. An einem Stand kaufst Du eine Armbanduhr aus Holz, an einem anderen holt Ihr Euch Backwaren fürs Mittagessen. Karla hat eine Laktoseintoleranz. Seit 2014 müssen in der EU diejenigen 14 Stoffe, die am häufigsten Allergien auslösen, gekennzeichnet werden. Auf verpackten Lebensmitteln sind diese Stoff-Informationen gut lesbar aufzudrucken. Bei loser Ware müssen die Allergene andernorts ausgewiesen werden, z.B. auf dem Preisschild oder in einer Liste, die Kund_innen einsehen können. Der Verkäufer gibt Karla eine Übersicht, auf der die Zutaten seiner Backwaren aufgeführt sind – jedoch auf Niederländisch. Emir zückt sein Handy und schaut die niederländischen Begriffe schnell im Internet nach. Das verursacht ihm keine zusätzlichen Kosten, denn seit Juni 2017 werden in der EU keine Roaming-Gebühren mehr erhoben.

Am Nachmittag stellst Du fest, dass Deine neue Uhr kaputt ist. Du gehst zurück zu dem Marktstand, an dem Du die Uhr gekauft hast, und beschwerst Dich. Die Verkäuferin will die Uhr nicht zurücknehmen. Eine Passantin mischt sich ein und verweist auf EU-Regelungen zur Gewährleistungspflicht. Tatsächlich muss die Verkäuferin Dir eine neue Uhr geben, die alte reparieren oder den Kaufpreis zurückerstatten, weil die Uhr ohne Dein Verschulden kaputtgegangen ist. Abends wollt Ihr im Hotel Eure Lieblingsserie streamen. Karla erinnert sich, dass die Serie bei früheren Familienurlauben im Ausland bei ihrem Streamingdienst nicht verfügbar war. Dieses Mal gibt es aber keine Probleme, denn seit April 2018 müssen kostenpflichtige Streaming-Abos, die in einem EU-Mitgliedsland abgeschlossen wurden, in der gesamten EU zur Verfügung stehen; das sogenannte Geo-Blocking ist nicht mehr erlaubt.

Auf der Autofahrt zurück nach Deutschland lasst Ihr die Erlebnisse in Groningen Revue passieren. Ihr seid überrascht, wie sehr sich die EU auf Euren Alltag auswirkt. Insbesondere die Rechte im Verbraucher_innenschutz sind Euch in den letzten Tagen zugutegekommen. Ihr denkt über die Zukunft nach: Karla möchte studieren und kann sich gut vorstellen, ein Semester im Ausland zu verbringen; Emir plant eine Ausbildung – er hat sich informiert und überlegt nun, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu absolvieren.

Zudem must du gar nicht unbedingt ins Ausland fahren, um den Einfluss der EU auf Dein tägliches Leben zu erfahren. Fallen Dir noch weitere Beispiele ein?

Autorin: Märthe Stamer

Bist Du neugierig geworden? Mehr Informationen zu den im Text vorgestellten positiven Auswirkungen der EU findest Du z.B. in der Broschüre „60 Gründe für die EU. Warum wir die EU nach wie vor brauchen“ der Europäischen Kommission, im Portal „What Europe does for me“ des Europäischen Parlaments oder auf der offiziellen Website der Europäischen Union.